Die Vorteile und Nachteile verschiedener Gründungsarten

Die Voraussetzung für einen erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit ist eine nachhaltige Geschäftsidee. Wenn die da ist, sollte über die Gründung eines Unternehmens nachgedacht werden. Doch welche Gründungsform ist die Richtige? Macht man es allein, im Team oder auf Basis eines bestehenden Geschäftsmodells? Was für welchen Weg spricht:

Vorneweg lässt sich sagen, dass es keinen perfekten Weg gibt, um als Unternehmerin oder Unternehmer erfolgreich zu sein. Entscheidend ist, welches Geschäftsmodell man aufbauen will, wie potenzielle Kundinnen und Kunden aussehen könnten und in welcher Branche man tätig ist. Auch das vorhandene Kapital spielt gerade zum Gründungsbeginn eine nicht unerhebliche Rolle. Anhand der Gründungsart entscheidet sich, auf welche Unterstützung man bauen kann, wie viel Freiraum man hat und wie groß das zu tragende Risiko ist. Eine Statistik aus dem Jahr 2022 zeigt, dass es sich bei 86 Prozent aller Gründungen um Neugründungen handelt. Hierbei gibt es viele Wege und genauso viele Vor- und Nachteile.

Die Einzelgründung

Wer erstmal allein gründen möchte, kann sich z. B. für die Rechtsform der Einzelunternehmung entscheiden. Dies trifft auf jede natürliche Person zu, die selbstständig tätig ist und dabei auf die Neugründung einer Ein-Personen-Kapitalgesellschaft verzichtet. Die Bezeichnung bezieht sich ausschließlich auf die gründende Person und nicht auf potenzielle Mitarbeitende. Typische Rechtsformen sind Freiberufler, Eingetragener Kaufmann (e.K.) oder Kleingewerbetreibender, aber auch die Gründung als eine Ein-Personen-GmbH, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, oder als Ein-Personen-UG, als sogenannte Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), ist möglich.

Dieser Weg, den man ganz allein beschreitet, bietet Vor- und Nachteile.

Vorteile des Einzelunternehmens

  • kein Mindestkapital oder Einlagen notwendig
  • geringe Kosten bei der Gründung und wenige Formalitäten
  • schnelle geschäftliche Entscheidungen
  • klare Verhältnisse in Geschäftsführung und Vertretung nach außen
  • Unternehmerin oder Unternehmer profitiert allein von den Gewinnen

Nachteile des Einzelunternehmens

  • unternehmerische Risiken liegen bei einer Person
  • keine Aufnahme von Gesellschaftern zur Stärkung der Kapitalbasis möglich
  • unbegrenzte Haftung auch mit dem Privatvermögen
  • Der Rückhalt durch einen weiteren Entscheidungstragenden fehlt, sodass private Krisen für zusätzliche Belastung sorgen können

Die Teamgründung

Wer nicht alleine, sondern mit anderen Personen gründet, vollzieht eine Teamgründung . Vor allem in der Startup-Szene ist dies oft der Fall. Ein Vorteil: Im Gespräch mit Banken, Investoren oder Fördermittelgebern kann das Team ein Pluspunkt sein, da mehrere Gründende ein breiteres Spektrum an Kompetenzen aufweisen. Zudem können mögliche Defizite im Team ausgeglichen werden, wodurch die Erfolgschancen steigen. Als Rechtsformen für die Gründung eigenen sich Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), Offene Handelsgesellschaft (OHG), Kommanditgesellschaft (KG), Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder Unternehmergesellschaft (UG).

Vorteile der Teamgründung

  • erhöhte Finanzkraft und größere Chance auf externe Investitionen
  • differenzierteres Know-How und umfangreiche Kompetenzen
  • Risiko wird auf mehrere Schultern verteilt
  • größeres soziales Netzwerk

Nachteile der Teamgründung

Es gilt früh zu klären,

  • wer was entscheiden darf und wer für welche Bereiche verantwortlich ist
  • ab welchem Betrag ein Gesellschafterbeschluss notwendig ist
  • wie viel Gehalt ausbezahlt wird, wenn die Lage gerade schlecht ist
  • wie viel Gehalt gezahlt wird, wenn die Geschäfte gut laufen

Gründung im Nebenerwerb

Ein weiterer und verhältnismäßig risikoarmer Weg, um den Weg ins Unternehmertum zu finden, ist die Gründung im Nebenerwerb. Von ihr ist die Rede, wenn man hauptsächlich angestellt ist und im Arbeitsverhältnis mehr verdient als in der nebenberuflichen Selbstständigkeit, die beim Gewerbeamt angemeldet werden muss.

Vorteile einer Gründung im Nebenerwerb

  • geregeltes Einkommen schafft Sicherheit und mindert den Erfolgsdruck
  • Geschäftsidee kann getestet werden und zu kompletter Selbstständigkeit führen
  • Entwicklung muss nicht schnell gehen; Auszeiten sind möglich
  • bei Erfolg erhöht sich das Gesamteinkommen

Nachteile einer Gründung im Nebenerwerb

  • Nebenerwerb erfordert viel Energie und Zeit
  • wenig Zeit für Unternehmensentwicklung
  • Selbstständigkeit im Nebenerwerb steht für manche für Unprofessionalität
  • Wünsche von Kundinnen und Kunden lassen sich nicht immer sofort umsetzen

Ausgründung/ Spin-off

Wer innerhalb des eigenen Betriebes eine Geschäftsidee entwickelt hat, die fernab des Kerngeschäfts des Mutterkonzerns ist und sich außerhalb der Unternehmensstrukturen besser kommerzialisieren lässt, für den kann eine Ausgründung sinnvoll sein. Dabei wird der betreffende Betriebsteil ausgegliedert und rechtlich sowie wirtschaftlich selbstständig. Viele Ausgründungen gehen auch aus Universitäten oder Hochschulen hervor. Der Vorteil für Gründende aus diesem Umfeld ist, dass viele Hochschulen und Universitäten über Gründungszentren verfügen, die die Schnittstelle zwischen Forschung und Unternehmertum stärken und Gründende umfassend zu ihrem Weg in die Selbstständigkeit beraten.

Vorteile einer Ausgründung

  • Unternehmen entsteht aus bestehenden Strukturen
  • neues Unternehmen kann unabhängig agieren und eigenständig entscheiden
  • Ausgründung ermöglicht Konzentration auf ein Geschäftsfeld
  • Mitarbeitende sind besonders motiviert, da sie Neues schaffen

Nachteile einer Ausgründung

  • Ausgründung kann ein kostspieliger Prozess sein
  • neues Unternehmen muss eigene Infrastruktur aufbauen
  • geringere Skaleneffekte führen zu höheren Kosten und geringerer Rentabilität
  • Verlust von Synergien wie einem zuvor bestehenden Vertriebsnetz

Unternehmensnachfolge

Auch wer keine eigene Idee entwickelt hat, kann unternehmerisch tätig werden, indem er ein bestehendes Geschäftsmodell übernimmt und erweitert oder sich über das Franchising in ein bestehendes Geschäftsmodell einkauft, dass anschließend in einer bestimmten Form und an einem bestimmten Standort umgesetzt wird. Auch hier gibt es einige Vor- und Nachteile.

Unternehmensnachfolge

Bei der Unternehmensnachfolge steigen Sie im Idealfall in einen gut gehenden Betrieb mit tollem Team und treuer Kundschaft ein. Dadurch sparen Sie sich den aufwendigen Markteintritt. Oft ist dies bei der Übergabe von bestehenden Familienunternehmen der Fall. Gerade in Branchen, denen der Nachwuchs fehlt, kann aber auch eine Übernahme durch Dritte geschehen.

Vorteile der Unternehmensnachfolge

  • Banken bewerten bewährte Geschäftsmodelle häufig positiver
  • bewährte Prozesse können übernommen werden
  • mit etabliertem Team entfällt aufwändige Personalsuche
  • Kundschaft kann übernommen werden
  • bestehende Produkte sind am Markt bereits erprobt

Nachteile der Unternehmensnachfolge

  • ohne Erfahrung kann die Führung von Unternehmen und Mitarbeitenden herausfordernd sein
  • Besetzung von Schlüsselpositionen mit neuem Personal kann schwierig werden
  • festgefahrene Strukturen lassen sich nur mit Mühe ändern
  • Investitionen sind nicht flexibel, da der Kaufpreis fix ist

Franchising

Franchising meint ein Vertriebssystem, das auf Arbeitsteilung setzt: Während der Franchisegeber für die Weiterentwicklung des Geschäftskonzepts zuständig ist, setzen die Franchisenehmerinnen und -nehmer es im direkten Kontakt mit der Kundschaft um.

Dabei treten alle Beteiligten als selbstständige Unternehmerinnen und Unternehmer auf, die auf eigene Rechnung und in eigenem Namen wirtschaften. Nach außen jedoch gehören sie alle zu einer Marke. Franchising ist eine gute Option für all jene, die sich selbstständig machen möchten, aber nicht genau wissen, womit.

Vorteile von Franchising

  • Start mit erprobtem Geschäftsmodell
  • Geringes Risiko, da Marke etabliert ist
  • Erfahrungsaustausch in bestehendem Netzwerk
  • Schneller und einfacher Markteintritt
  • Kundenkontakt steht von vornherein im Fokus

Nachteile von Franchising

  • weniger unternehmerische Freiheit als bei eigener Gründung
  • vom Franchisegeber gesetzte Konzepte müssen umgesetzt werden
  • wenig Einfluss auf die Gesamtstrategie
  • teilweise hohe Franchise-Gebühren
  • Einschränkungen beim Unternehmenswachstum

Prinzipiell kann jeder und jede – egal ob allein oder im Team – ein Unternehmen gründen und sich unter der Fülle aller Gründungsarten jene aussuchen, die in der eigenen Situation die passendste ist. Egal welcher Weg es am Ende wird, braucht es Beharrlichkeit, Flexibilität und kontinuierliche Weiterbildung. Wie die Bestsellerautorin Sarah Ban Breathnach sagte: „Der Erfolg ist zuverlässig, wenn wir das tun, was wir lieben, dort beginnen, wo wir sind, und mit den Werkzeugen arbeiten, die wir haben.“

Entscheidend ist dabei ein guter Start. Dieser impliziert ein schlüssiges Geschäftsmodell, einen aussagekräftigen Businessplan und eine strukturierte Aufgabenverteilung, die es ermöglichen, Finanzierungen für sich zu gewinnen, das eigene Produkt stetig weiterzuentwickeln und gleichzeitig Aufmerksamkeit bei potenzieller Kundschaft zu gewinnen. Was es für einen Konzept- und Businessplan oder ein Business Model Canvas braucht und welche Veranstaltungengerade am Anfang für die Aufmerksamkeit und den Aufbau eines Netzwerks hilfreich sein können, gibt es hier auf dem Gründungsportal „Gründen in Berlin“ zu entdecken. Umfassende Einstiegsberatungen für Neugründungen im Starter Center Berlin bieten die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin sowie die Handwerkskammer (HWK) Berlin an.